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Marian Stiehler

Student

Informatik
Philosophie Psychologie Kunstwissenschaft

Gutes Design und Heidegger

Gutes Design und Heidegger

Was gutes Design ist, darüber kann man streiten. Diese Meinung ist unter Kunstwissenschaftlern nicht sehr populär – denn wir denken, wir wissen es besser, ähm, ich meine: denn es gibt Prinzipien und Kriterien für gutes Design. Aber sie ist meine. Dennoch möchte ich über ein Kriterium für gutes Design schreiben, das besonders in der IT-Welt eine Rolle spielt: Discoverability.

Dieses Kriterium für gutes Design stammt von Don Norman. Gemeint ist ein simples Prinzip, hier auf Blog-Tauglichkeit vereinfacht: Ein Objekt ist »discoverable«, wenn man ihm ansieht, wie man es zu benutzen hat. Sein berühmtes Beispiel sind Türklinken. Hier eine Türklinke, der man ansieht, dass man drücken (nicht ziehen) muss:

Wichtig ist, dass diese Tür kein Schild braucht, um mit dem Benutzer zu kommunizieren (weder eins mit »Drücken«, noch: »Tür«): sie ist discoverable.

Eine Tür, der man nicht ansieht, ob man ziehen oder drücken muss, die also eine schlechte Discoverability besitzt, nennt man »Norman-Tür«.

Gutes Design ist Design, dem man seine Funktionalität ansieht, das keine Schilder braucht, um sich zu erklären. Dieses Prinzip kann ein Leitgedanke auch bei Software-Design sein.

In der Diskussion um Normans Ideen wird übrigens oft übersehen, dass sie einen deutschen Vorläufer haben: Martin Heidegger schrieb spätestens 1927 bereits in »Sein und Zeit« über Gegenstände und ihren Sinn, sein berühmtestes Beispiel ist der Hammer. Leider ist Heidegger so kompliziert, dass er nicht in einen Blog-Beitrag passt. Ihm geht es, sehr stark vereinfacht, darum, dass Gegenstände nie bloß »sind«, wie man es in der Philosophie traditionell annahm, sondern dass sie in einem zeitlichen Rahmen einen sinnhaften Bezug zueinander haben. Banales Beispiel: Der Hammer hat irgendwann in seinem Leben einen Bezug zum Nagel (denn er schlägt ihn ein). Erst wenn man dieses Stück aus Holz und Eisen zum Einschlagen eines Nagels benutzt (oder auch nur daran denkt, dass man es dazu benutzen könnte), wird es zum Hammer. Um zu verstehen, was etwas ist, muss man feststellen, zu was es in Bezug steht oder was es tut. Bei Türen und Türklinken ist das nicht anders. Eine Beschriftung wird unnötig (»Tür«, »Hammer«). Bei guter Software ist das ähnlich, man sieht ihr an, was sie tut – auch wenn Software auf Beschriftungen eher selten verzichten kann.

Etwa zur gleichen Zeit wie Heidegger kamen auch Künstler und Designer auf ähnliche Ideen: am Bauhaus in Dessau. Dort entwickelte sich das Mantra »form follows function«, das ja im Kern eine ähnliche Idee beschreibt (nämlich dass man dem Design eines Gegenstandes seine Funktion ansieht). Aber das muss auf einen anderen Blog-Eintrag warten.

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