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Marian Stiehler

Student

Informatik
Philosophie Psychologie Kunstwissenschaft

Bitte schließt Eure Apps nicht!

Bitte schließt Eure Apps nicht!

Ich arbeite ja nebenbei in einer Bibliothek. Die meisten Nutzer dort nehmen mehrere Bücher mit an ihren Platz, das heißt sie stehen nicht für jedes einzelne Buch wieder auf und holen es aus dem Regal und sie bringen ein Buch auch nicht sofort wieder zurück, sondern erst gesammelt am Schluss (oder lassen es liegen). Das ist ein effizienter Weg, Kraft und Zeit zu sparen.

Interessanterweise gehen viele iPhone-Nutzer nicht diesen Weg, wenn es um ihre Handys geht.

Jeder Computer und jedes Smartphone ist ähnlich aufgebaut wie eine Bibliothek: Es gibt Regale voll mit Büchern (den Massenspeicher, etwa eine SSD oder eine Festplatte) und es gibt Bücherstapel auf dem Schreibtisch (den Arbeitsspeicher oder den RAM; genau genommen gäbe es auch noch die Prozessor Caches, aber die vernachlässige ich hier, um es nicht unnötig kompliziert zu machen). Startet man eine App auf seinem Gerät, holt das Gerät die nötigen Daten aus den Regalen und legt sie auf den Tisch – es lädt die nötigen Daten vom Massen- in den Arbeitsspeicher, von der SSD in den RAM. Dort arbeitet es damit.

Wechselt man die App, schichtet das iPhone diese Daten auf einen Stapel auf und lässt ihn erstmal auf dem Schreibtisch liegen – solange noch genug Platz ist. Außerdem verdichtet es die Daten mit einem Komprimierungsverfahren, sodass sie nicht so viel Platz wegnehmen. Erst wenn der Schreibtisch voll ist, wirft es die Bücherstapel vom Tisch, fast genauso wie die Leser in der Bibliothek (mit einem kleinen Unterschied: das iPhone arbeitet hauptsächlich mit Kopien, die jedes Mal neu angefertigt werden).

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Im App Switcher des iPhones kann man eine App beenden, indem man sie nach oben wegzieht. Wenn man das tut, entfernt man diese App vom Schreibtisch. Startet man sie dann erneut, am gleichen Tag oder auch Tage später, muss das Gerät »zurück ans Regal laufen« und die nötigen Daten neu holen. Dieser Vorgang braucht Zeit, belastet die Lebensdauer der SSD und, vor allem, verringert die Batterielaufzeit. Das ist nicht sinnvoll. Und weil das nicht sinnvoll ist, gibt es auch keinen Button, um alle Apps auf einmal zu schließen – Apple will dieses batterieschädigende Verhalten nicht auch noch ermuntern.

Viele iPhone User glauben, es wäre ein Zeichen von Hygiene, seine Apps zu schließen. Dazu kommt ein Effekt, den die Psychologie »magisches Denken« nennt: Hier ist es der Glaube, durch eigentlich sinnlose Rituale etwas Positives zu bewirken. Computer (und Android-Smartphones in ihren Anfängen) haben uns beigebracht, dass Apps im Hintergrund Ressourcen verbrauchen. Dass das auf dem iPhone in der Regel nicht so ist, weil iOS Apps im Hintergrund abschaltet oder schlafen schickt, müssen wir erst noch lernen.

Also: Bitte schließt Eure Apps nicht! Lasst sie laufen. Für immer. Das Gerät kümmert sich darum.

Zum Weiterlesen: https://daringfireball.net/2017/07/you_should_not_force_quit_apps

Die Bibliothek im Titelbild ist übrigens die des Trinity College in Dublin. Das Bild steht unter einer CC0-Lizenz, ich gebe die Quelle freiwillig an: https://www.pexels.com/photo/ancient-antique-architectural-design-architecture-442420/

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